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Junger Sherlock Holmes

Jeder Mensch hat Rechte, also natürlich auch Kinder. Denn Menschenrechte gelten für alle, ganz gleich ob sie arm oder reich, alt oder jung sind. Vielleicht hast Du dich schon einmal gefragt, welche Rechte Du denn überhaupt hast? Und sind Deine Rechte für Deinen Alltag wichtig?

Mit Hilfe einer Broschüre des Deutschen Kinderhilfswerks haben wir Dir ein paar interessante Fragen zum Thema „Meine Rechte“ zusammengetragen. Natürlich auch immer mit dem entsprechenden Gesetz dazu.

1. Immer wenn Du besondere Wünsche bei Deinen Eltern äußerst, sagen sie, dass Du Dir das alles selbst kaufen kannst, wenn Du arbeiten gehst und Geld verdienst. Dürfen Kinder überhaupt arbeiten und wenn ja, was?

Teenager arbeitet als Zeitungsbote

Viele wissen gar nicht, dass Kinder auch bezahlte Arbeit machen dürfen. Aber eben nur ganz bestimmte Tätigkeiten, die ganz leicht und natürlich auch sicher für Dich sind.

Das sagt das Gesetz zu dieser Frage:

Grundsätzlich ist die Arbeit von Kindern unter 13 Jahren in Deutschland verboten. Das regelt das Jugendarbeitsschutzgesetz (abgekürzt: JArbSchG) im Paragrafen 5, Absatz 1. Dieses Verbot ist auch wichtig. Nur so können Kinder vor gesundheitlichen Schäden und vor Ausbeutung geschützt werden. Wenn die Eltern einverstanden sind, kannst Du aber, wenn Du 13 Jahre alt bist, einer leichten und kindergeeigneten Beschäftigung nachgehen. Diese „Arbeit“ darf nicht länger als zwei Stunden täglich dauern. Außer Du bist in der Landwirtschaft tätig, dann darfst Du auch drei Stunden am Tag arbeiten. Die Arbeit muss zwischen 8 und 18 Uhr stattfinden. Jugendliche, die der Schulpflicht unterliegen, können aber nur während der Schulferienzeiten beschäftigt werden.

Jugendliche über 16 Jahren dürfen auch im Gaststätten- und Schaustellergewerbe, in Konditoreien, Bäckereien und in der Landwirtschaft beschäftigt werden. Wenn Du zur Schule gehst und 13 Jahre alt bist, darfst Du also Zeitungen austragen, andere Kinder und zu Euerem Haushalt gehörende Personen (z. B. Oma und Opa) betreuen, Nachhilfeunterricht geben oder Haustiere betreuen.

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2. Deine Eltern sind von einem Deiner Freunde überhaupt nicht begeistert. „Der tut Dir nicht gut“, sagen sie und wollen Dir den Umgang mit diesem Freund verbieten. Dürfen die das?

Mutter im Konflikt mit Tochter - Pubertt - Streit

Tatsächlich dürfen Deine Eltern ein so genanntes Umgangsverbot verhängen. Aber dafür muss eine wirkliche Gefahr für Dich von diesem Freund ausgehen. Wenn Deine Eltern den Freund einfach nicht mögen, ist das kein Grund für ein Umgangsverbot!

Das sagt das Gesetz zu dieser Frage:

Deine Eltern sind für Deine Erziehung und Deine Pflege verantwortlich. Das ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt. Sie sind also auch für alle persönlichen Angelegenheiten verantwortlich. Zu den Pflichten Deiner Eltern gehört auch eine Umgangsbestimmung. Damit dürfen sie Dich und Deinen Umgang mit anderen Menschen sogar überwachen. Das bedeutet: Gibt es jemanden, der Dich gefährdet, dürfen Deine Eltern Dir den Umgang mit diesem Menschen verbieten. Aber dafür muss es schon triftige und plausible Gründe geben. Denn prinzipiell muss jeder Mensch Erfahrungen mit anderen machen. Das ist sogar ein Erziehungsziel. Nur weil Deinen Eltern das Gesicht oder die Art Deines Freundes nicht passt, ist kein Grund den Umgang mit ihm zu verbieten.

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3. Gibt es bei uns in Deutschland einen Anspruch auf Taschengeld? Und wenn ja, wie viel?

 Euro Turm

Das Schlechte gleich am Anfang: Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf Taschengeld. Allerdings gibt es Empfehlungen für die Eltern, wie viel Geld Kinder bekommen sollten. Schließlich sollst Du den Umgang mit Geld ja auch lernen.

Das sagt das Gesetz zu dieser Frage:

Im deutschen Recht gibt es keinen Anspruch auf Taschengeld. Deine Eltern müssen Dir also kein Taschengeld bezahlen, wenn Sie nicht wollen oder auch nicht können. Da aber jedes Kind ein Recht auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit hat und Geld in unserer Gesellschaft – leider – eine wichtige Rolle spielt, sollten Kinder so schnell als möglich lernen, mit Geld umzugehen. Die Höhe eines Taschengeldes sollte an die finanzielle Belastung und das Einkommen der Familie angepasst werden. Als Faustregel könnte ab dem sechsten Lebensjahr gelten: Dein Alter mal zwei = das monatliche Taschengeld.

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4. Auch im Zeitalter von Facebook, Twitter, E-Mail und WhatsApp gibt es noch den guten alten Brief. Zum Beispiel den Liebesbrief. Dürfen Deine Eltern Briefe öffnen, die an Dich adressiert sind?

 Briefgeheimnis

Die gute Nachricht: Nein. Die schlechte Nachricht: Ja. Also wie jetzt?

Das sagt das Gesetz zu dieser Frage:

Deine Eltern haben natürlich das Recht und die Pflicht Schäden von Dir abzuwenden und Dein Wohl zu fördern. Du hast aber auch das Recht auf eine freie Entfaltung der Persönlichkeit. Und das Briefgeheimnis gilt auch für Dich. Eltern sollten demnach das Briefgeheimnis ihres Kindes achten. Erst wenn es einen begründeten Verdacht gibt, dass mit dem Brief eine echte Gefahr droht, können Deine Eltern Deinen Brief aufmachen. Allerdings sollten sie das nicht still und heimlich tun. Vielmehr sollten sie sich mit Dir zusammensetzen, Dir erklären, warum sie Bedenken haben. Dann könnt ihr das „verdächtige“ Schreiben miteinander öffnen und darüber reden.

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5. Deine Freundinnen oder Freunde sind abends noch unterwegs, da musst Du schon zuhause sein. Wer darf entscheiden, wann Du zuhause sein musst?

new year party, holidays, celebration, nightlife and people concept - group of happy friends dancing in night club and snow effect

Einfache Antwort: Deine Eltern. Wie, keine Ausnahmen? Ne …

Das sagt das Gesetz zu dieser Frage:

Viel gibt es dazu nicht zu sagen: Ein 14-jähriges Mädchen sollte länger draußen bleiben dürfen als ein 7-jähriger Junge. Das ist klar. Am besten ist es, wenn Du Deine Ausgehzeiten mit Deinen Eltern besprichst. Im Jugendschutzgesetz wird zum Beispiel geregelt, dass der Aufenthalt in Gaststätten und bei Tanzveranstaltungen (Disco etc…) Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren nur in Begleitung der Eltern oder anderer Erziehungsberechtigter gestattet ist. Tagsüber alleine in die Gaststätte zu gehen, wenn Du etwas essen oder trinken willst, ist erlaubt. Ab 16 Jahren darfst Du in Gaststätten ohne Begleitung bis 24 Uhr bleiben. Allerdings gibt es ein allgemeines Verbot für bestimmte Orte. Dazu gehören Nachtbars und Nachtclubs oder z. B. Spielhallen.

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6. Deine Eltern sind sauer auf Dich und erteilen Dir Hausarrest. Dürfen sie das und wenn ja, wie lange?

 Depressed teenager with arms around his neck and hood on head

Eine schwierige Frage, die auch im Gesetz nur sehr schwammig beantwortet wird.

Das sagt das Gesetz zu dieser Frage:

Auf der einen Seite kann ein elterliches Ausgehverbot dazu dienen, Dich vor Gefahren zu schützen. Auch kann ein Hausarrest dazu dienen, dass du nach einer festgelegten Uhrzeit zuhause sein musst, weil Du am nächsten Morgen wieder fit für die Schule sein musst. Auf der anderen Seite ist der Hausarrest aber auch eine Bestrafung, eine Art Freiheitsentzug. Das Recht Deiner Eltern, Dir Hausarrest zu verhängen, endet also da, wo Dein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung beginnt. Das Recht auf gewaltfreie Erziehung steht im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) und sagt, dass körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen unzulässig sind. Wenn ein Hausarrest so lange dauert, dass das Kind seelisch verletzt wird, ist er rechtswidrig. Dann kann man sogar eine Strafanzeige stellen. Allerdings ist ein Hausarrest nach dem Motto: „Du gehst mir heute Abend nicht aus dem Haus“ durchaus vertretbar, wenn Deine Eltern Dich dadurch vor echten Gefahren schützen. Wenn sie also z. B. wissen, dass auf der Party, zu der Du gehen wolltest, Alkohol und Drogen konsumiert werden.

 

Hier noch eine kleine Übersicht über wichtige Gesetze und wie sie abgekürzt werden.

  • BGB: Das Bürgerliche Gesetzbuch regelt die Rechte und Pflichten von Privatpersonen und Unternehmen. Wichtige Bestandteile sind zum Beispiel Gesetze zur Familie, zum Eigentum oder zu Schulden.
  • GG: Das deutsche Grundgesetz ist die Verfassung, also die rechtliche und politische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland. Hier sind die Grundwerte für das Zusammenleben in Deutschland festgeschrieben.
  • JArbSchG: Das Jugendarbeitsschutzgesetz dient dem Schutz von arbeitenden Kindern und Jugendlichen.
  • JuSchG: Das Jugendschutzgesetz dient dem Schutz von Kindern und Jugendlichen und regelt den altersabhängigen Zugang zu Medien sowie den Aufenthalt an bestimmten Orten.
  • KindArbSchV: Die Kinderarbeitsschutzverordnung bestimmt, welche Arbeiten für Kinder zulässig sind.
  • KJHG: Das Kinder- und Jugendhilfegesetz regelt die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe.
  • StGB: Das Strafgesetzbuch hält fest, welche Taten in Deutschland strafbar sind und welche Rechtsfolgen (Strafen) diese Straftaten haben.
  • UN-KRK: Die Konvention über die Rechte des Kindes der Vereinten Nationen legt weltweit die Rechte fest, die Kinder brauchen, damit sie gut aufwachsen, sich gut entwickeln und ihre Persönlichkeit entfalten können.

Weitere Hinweise und Beratung zu deinen Rechten oder zur Gesetzgebung für Kinder und Jugendliche erhältst du bei deinem Jugendamt vor Ort, in Kinder- und Jugendbüros oder Personen deines Vertrauens.